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Politisches Programm

Inhalt
1. Neue Förderinstrumente
a. Jazz-Ensembleförderung
b. Förderung von Jazz-Veranstaltungsreihen & Spielstättenförderung
2. Mindestgage
3. Räume
4. Präsenz in den Medien

1. Neue Förderinstrumente

Die bereits bestehenden Förderinstrumente im Bereich Jazz (Projektförderung, Studio-Projekt, Tourneeförderung und Jazzstipendium) haben sich als wichtiger Teil der Berliner Kulturförderung bewährt. Das Antragsvolumen ist jedoch immer deutlich höher als die zur Verfügung stehenden Fördermittel. Dies ist zum Teil dadurch bedingt, dass es eine verkappte Ensembleförderung aus Stipendien und von Reihen aus Projektmitteln gibt, wodurch die zur Verfügung stehenden Fördermittel belastet werden und ihre eigentliche Förderbestimmung nur unzureichend erfüllen können. Zudem handelt sich hier ausschließlich um kurzfristige, auf ein Jahr beschränkte Förderungen. Es fehlen langfristigere Fördermaßnahmen, die den Akteuren der Berliner Jazzszene eine kontinuierliches und nachhaltiges Arbeiten ermöglichen. Die IG-Jazz Berlin fordert daher die Einführung zweier zusätzlicher, mehrjähriger Förderinstrumente, der „Jazz-Ensembleförderung“ und der „Förderung von Jazz-Veranstaltungsreihen“ und eine Erhöhung der bestehenden Fördertöpfe.

1 a) Jazz-Ensembleförderung

Berlin ist die Heimat einer Vielzahl von Jazzformationen jeder Größe und stilistischer Ausrichtung. Viele dieser Formationen arbeiten kontinuierlich auf höchstem internationalen Niveau und dennoch häufig unter prekären wirtschaftlichen Bedingungen. Bei einer professionellen Ensemblearbeit entstehen laufende Kosten für Probenhonorare, Probenraummiete, Management, Werbemaßnahmen usw. Durch eine mehrjährige Ensembleförderung würden diese Kosten gedeckt und die entsprechenden Formationen in die Lage versetzt, finanziell unabhängig und mit Planungssicherheit anspruchsvolle künstlerische Vorhaben umzusetzen.

1 b) Förderung von Jazz-Veranstaltungsreihen & Spielstättenförderung

In Berlin existieren diverse regelmäßige Konzert- und Festivalreihen, die größtenteils ohne bzw. mit minimalen, sporadischen öffentlichen Fördergeldern auskommen müssen. Reihen, die in der Vergangenheit gefördert wurden, mussten häufig mit derart knappen Budgets operieren, dass keine angemessene Musikergagen gezahlt werden konnten und zu wenig Mittel für eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung standen.
Mit einer auf mehrere Jahre angelegten Förderung könnten Veranstalter Konzert- und Festivalprogramme langfristig planen, Investitionen in die Ausstattung der Spielstätten und in wirksame Werbemaßnahmen tätigen sowie den Musikern eine angemessene Konzertgage auf dem von der IG Jazz geforderten Niveau garantieren. Die Wichtigkeit einer Spielstättenförderung ist auch durch die Jazzstudie2016 belegt, in welcher es heißt: „Eine zentrale Erkenntnis der Studie ist daher, dass die Förderung der Livemusik-Spielstätten qualitativ weiterentwickelt und quantitativ ausgebaut werden muss. Dabei sind die besonderen Bedürfnisse der originären Jazzclubs besser als bislang zu berücksichtigen.“

Für diese beiden zusätzlichen Förderinstrumente fordert die IG Jazz einen Aufwachs des Förderetats in der Höhe von jeweils mindestens 150.000 €, insgesamt also mindestens 300.000 € jährlich.

2) Mindestgage

Die IG Jazz fordert die angemessene Bezahlung von Live-Auftritten von Jazzmusikern. Angesichts der in der jazzstudie2016 belegten Wichtigkeit von Konzerten als Einkommensquelle für Jazzmusiker wird eine deutliche Erhöhung des derzeitigen Gagenniveaus angestrebt. Wir erkennen an, dass das Gagenniveau in Berlin extrem niedrig ist (die Jazzstudie nennt Gagen von unter 50€ als Regelfall). Mittelfristig wird es kaum möglich sein, dieses Niveau signifikant zu erhöhen. Trotzdem fordert die IG JAZZ im Anschluss an die Union Deutscher Jazzmusiker in öffentlich geförderten Projekten eine Einstiegsgage von 300€. Von Privatveranstalter kann eine solche Erhöhung der Künstlergagen nur bei gleichzeitiger Einführung einer Strukturförderung und Festivalförderung geleistet werden (siehe Punkt 1) Neue Förderinstrumente).

3) Räume

Die IG Jazz fordert eine angemessene Förderung von Produktions- und Arbeitsräumen für Jazzmusiker, analog zu dem Atelieranmietprogramm im Bereich Bildende Kunst. Gleichzeitig müssen neue Orte für Musiker erschlossen werden, z.B. aus landeseigenen Liegenschaften, in denen Probenräume für Musiker eingerichtet werden können.  Neben Einzelproberäumen müssen dabei Ensembleproberäume geschaffen werden. Der „Wache“ in der Eberswalder Straße sollen langfristig mehrere kleinere und ein weiterer großer Ensembleproberaum, der flexibel stundenweise vermietet werden kann, an die Seite gestellt werden.

4) Präsenz in den Medien

Die IG Jazz tritt für eine deutlich höhere Präsenz des Jazz und improvisierter Musik in den Medien ein. Der rbb, der als öffentlich-rechtlicher Sender das kulturelle Leben Berlins und Brandenburgs abbilden sollte, widmet dem Jazz und dabei insbesondere der regionalen Szene Sendezeiten, die in krassem Missverhältnis zur Bedeutung der Szene stehen. Die Sendezeit für Jazz im Kulturradio reicht bei Weitem nicht aus, um die weltweit gepriesene Vielfalt und Lebendigkeit der Berliner Jazzszene auch nur annähernd adäquat widerzuspiegeln, geschweige denn auch die internationalen Entwicklungen und ihre Diversität angemessen zu reflektieren. Außer der Saarländische Rundfunk hat keine andere ARD-Anstalt so wenige regelmäßige Sendeplätze für Jazz wie der rbb.